Wollgewinnung

Es sind 2 Arten der Wollgewinnung möglich: Rupfen und Scheren. Leider ist das Rupfen durch sensationell aufgemachte Medienberichte als tierquälerisch dargestellt worden. Tatsache ist jedoch, dass das Rupfen zum richtigen Zeitpunkt, nämlich während dem natürlichen Haarwechsel, dem Tier keinerlei Schmerzen bereitet, da sich die Haare in der Haut bereits gelöst haben. Rupfen ist vielmehr ein Auskämmen der losen Haare mit den Fingern. Im folgenden nenne ich diese Technik der Wollgewinnung "pflücken", da dem Wort "rupfen" immer auch die Bedeutung von "weh tun" innewohnt.

Jedes Haarfollikel (= haarproduzierendes Organ) hat seinen eigenen inneren Rhythmus mit abwechselnd aktiven, haarproduzierenden Phasen und Ruhephasen, in denen das Haar reift und ausfällt. Die Mutation zu Angorahaar bewirkt eine Verlängerung der aktiven Phase, wodurch das Haar länger wird. Durch das Pflücken werden die Haarfollikel synchronisiert, d.h. die Haare reifen alle gleichzeitig. Die Pflückwolle besteht so aus lauter ausgereiften Haaren und ist bei jeder Wollernte gleich zusammengesetzt. Gepflückt wird in der Ruhephase des Follikels.

Während dem Pflücken sitzen die Tiere ohne Zwang ruhig auf dem Schoss und geniessen es, ihre Haarpracht loszuwerden und sich wieder einmal bis auf die Haut schlecken und beknabbern zu können. 

Idealerweise ist das neue Vlies schon sichtbar wie beim Tier unten im Bild. Zur besseren Übersicht wurde das reife Vlies auf dem Rücken teilweise gepflückt. Schwarz: neu wachsende Haare;   grau: alte Haare, die sich in der Haut bereits gelöst haben und problemlos gepflückt werden können.

 

 

Hier ist Satinjüngling Abrax bereits fertig und untersucht die Zimmerpflanzen auf deren kulinarischen Wert. Deutlich sieht man das tiefschwarze neue Vlies auf Rücken und Flanken. Die hellgrauen Stellen zeigen an, wo mit der Schere geschnitten wurde, weil das alte Haar noch nicht reif zum Pflücken war. Mit dieser Methode -warten mit Pflücken bis das neue Vlies bereits gewachsen ist- haben die Kaninchen nie Probleme mit ihrem Wärmehaushalt. 

Die andere Möglichkeit der Wollernte ist das Scheren, das aber eine mindere Wollqualität liefert und bei unsorgfältigem Ausführen zu Verletzungen des Tieres führen kann.

Beide Techniken, Scheren und Pflücken, sollte man sich beim Kauf eines Angorakaninchens genau zeigen lassen.

Üblicherweise geschoren werden junge Angoras.(Das erste Mal im Alter von ca. 8 Wochen und ein zweites Mal mit ca. 20 Wochen.)

Die Tiere müssen durch Scheren oder Pflücken von ihrer Wolle befreit werden, da sich diese zwar in der Ruhephase des Haarfollikels in der Haut löst, aber durch ihre Feinheit nicht überall aus dem Vlies gleitet, sondern zu Filzknoten zusammenballt. Das Vlies kann zu einem regelrechten Filzpanzer werden, so dass das Tier in seinen Bewegungen behindert wird.

Während dem Pflücken wird die Wolle sortiert.

Gepflückte und geschorene Tiere benötigen in der kühleren Jahreszeit einen Kälteschutz. Im Winter müssen sie in einen Innenstall gebracht werden bis das neue Wollkleid genügend nachgewachsen ist.

Bei jedem Pflücken werden auch die Krallen kontrolliert und geschnitten.

© Ursula + Pascal Glauser 11.11.2004

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